Gesundheitsreform ja – aber nicht auf Kosten der Beschäftigten
Mit ebenso großer Sorge blickt die IG Metall auf die Gesundheitsreform, die das Bundeskabinett mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz auf den Weg gebracht hat. Dass der ursprünglich thematisierte Schnitt beim Krankengeld nach massivem Druck der Gewerkschaften vom Tisch ist, ist ein Erfolg – mehr aber auch nicht. Was bleibt, ist eine Reform mit eklatanter Schieflage: höhere Zuzahlungen, ein neues Teilkrankengeld, Einschränkungen bei der kostenfreien Mitversicherung, eine Deckelung des Pflegebudgets – und obendrauf ein Taschenspielertrick, der den Bundeszuschuss bis 2030 um jährlich 2 Milliarden Euro kürzt. „Das Gesundheitssystem braucht Reformen – aber bitte ohne Ausbluten!", betont der Metaller. „Wer Zuzahlungen erhöht, schließt Geringverdienende von Versorgung aus. Wer ein Teilkrankengeld einführt, treibt Beschäftigte halbgenesen zurück an den Arbeitsplatz. Wer die kostenfreie Mitversicherung einschränkt, bestraft Familien und entwertet die Care-Arbeit!"
An die echten Kostentreiber müsse ran – an überhöhte Arzneimittelpreise, an Fehlentwicklungen in der Krankenhausfinanzierung, an die Renditeabflüsse zu Private-Equity-Investoren in Praxen und Versorgungszentren. Mittel- und langfristig brauche es eine echte Strukturreform: eine Bürgerversicherung, in die alle Einkommensarten einzahlen, das Ende der Zwei-Klassen-Medizin und eine angemessene Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen. Allein im Gesundheitswesen ließen sich nach Berechnungen des DGB bis zu 100 Milliarden Euro mobilisieren, ohne eine einzige Leistung zu kürzen. „Wer das Geld lieber bei den Kranken und Beschäftigten holt als bei den Pharmariesen und den Heuschrecken im Gesundheitsmarkt, hat eine Entscheidung getroffen – aber ganz sicher keine soziale", so Gröger.
Gesetzliche Rente sichern – Flaschensammeln ist kein Lebensabend
Auch die Rente steht erneut unter Beschuss. Wenn der Bundeskanzler die gesetzliche Rente zur „Basisabsicherung" zurückstutzen will, ist das nichts anderes als die Aufkündigung des Generationenversprechens. „Die gesetzliche Rente ist die wichtigste und stabilste Säule der Alterssicherung – sie muss gesichert werden, nicht weiter geschliffen", erklärt der Metaller. „Ein Alter ohne leistungsfähige Rente bedeutet Flaschensammeln. Wer Beschäftigten nach 40 oder 45 Jahren des Ackerns in den Werkshallen, Büros und Werkstätten am Ende den Pfandautomaten als Lebensabend anbietet, zerstört nicht nur Existenzen – er zerstört auch das Vertrauen in unsere Demokratie. Jede Ankündigung von Rentenkürzung, ob direkt oder durch die Hintertür, ist ein Brandbeschleuniger!"
Verlässlicher sozialer Airbag in unsicheren Zeiten
Strukturwandel, geopolitische Krisen, Inflation, KI-getriebene Umbrüche in den Betrieben: Die Beschäftigten erleben turbulente Zeiten. Genau deshalb brauchen sie einen verlässlichen sozialen Airbag – ein Arbeitslosengeld, das den Lebensstandard im Ansatz absichert; ein Kurzarbeitergeld, das Beschäftigung im Wandel hält; eine starke Mitbestimmung in den Betrieben; einen funktionierenden Kündigungsschutz; eine Krankenversicherung, die im Krankheitsfall trägt; und eine Rente, auf die man sich verlassen kann. Unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite" ziehen am 1. Mai die Beschäftigten gemeinsam mit dem DGB in zahlreichen Städten Niedersachsens und Sachsen-Anhalts auf die Straße – für gute Arbeit, faire Entgelte, eine zukunftsfeste Industrie und einen starken Sozialstaat.
(Pressemitteilung des IG Metall Bezirks Niedersachsen und Sachsen-Anhalt)