Metall-Elektro-Tarifauftakt in Niedersachsen Arbeitgeber müssen starre Ablehnung aufgeben

Die erste Verhandlungsrunde der Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen ist ohne Ergebnis und ohne erkennbare Annäherung zu Ende gegangen. Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall wies die Forderung der IG Metall zurück. Eine eigene Perspektive legten die Arbeitgeber nicht vor.

Küstenaktionstag in Rostock in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie 2018

8. Oktober 2026 8. Oktober 2026


Die erste Verhandlungsrunde der Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen ist ohne Ergebnis und ohne erkennbare Annäherung zu Ende gegangen. Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall wies die Forderung der IG Metall zurück. Eine eigene Perspektive legten die Arbeitgeber nicht vor.

Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Entgelt für Beschäftigte und Auszubildende bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Sie hat diese Forderung in der Verhandlung ausführlich begründet. Dabei stützt sie sich auf die wirtschaftliche Breite der Branche, die schwindende Kaufkraft und die anhaltend hohen Lebenshaltungskosten. Ebenso fällt ins Gewicht, was die Beschäftigten im tiefgreifenden industriellen Wandel leisten.

Die Arbeitgeber wiesen die Forderung dennoch grundsätzlich zurück. Mit den vorgebrachten Argumenten setzten sie sich nicht ernsthaft auseinander. Eine eigene tarifpolitische Vorstellung für den weiteren Verlauf blieb ebenfalls aus.

„Es überrascht nicht, dass die Arbeitgeber kein Angebot heute mitgebracht haben. Dennoch ist ein wenig mehr Empathie für die Situation der Beschäftigten und deren Druck auf dem Geldbeutel angemessen!“, erklärt Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall und Verhandlungsführer für das Tarifgebiet Niedersachsen. „Die Arbeitgeber haben dem bislang kaum mehr als Ablehnung entgegengesetzt. Als erste Reaktion mag das üblich sein, als Verhandlungsstrategie trägt es nicht. Nun liegt der Ball bei ihnen. Bis zum 27. Oktober bleibt Gelegenheit, unsere Argumente gewissenhaft zu prüfen und eigene Vorschläge vorzulegen. Wer eine Forderung verwirft, schuldet eine Antwort darauf, wie er den berechtigten Erwartungen der Beschäftigten gerecht werden will.“

Die IG Metall verkennt nicht, dass sich die Branche uneinheitlich entwickelt. Manche Unternehmen ringen mit schwacher Nachfrage, strukturellem Umbruch oder erheblichem Investitionsbedarf. Andere verzeichnen eine stabile Geschäftslage, gute Auslastung und spürbare wirtschaftliche Spielräume. Diesen Unterschieden muss eine Tarifrunde Rechnung tragen. Als pauschaler Grund, die Entgeltentwicklung insgesamt hintanzustellen, taugen sie jedoch nicht. Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren weitreichende Veränderungen mitgetragen, große Flexibilität bewiesen und die Transformation in den Betrieben aktiv mitgestaltet. Zugleich verharren die Lebenshaltungskosten auf deutlich erhöhtem Niveau.

Für die Gewerkschaft reicht diese Tarifrunde daher über die Entgeltfrage hinaus. Es geht ebenso darum, industrielle Wertschöpfung, Beschäftigung und Zukunftsperspektiven zu sichern. Wo Betriebe tatsächlich unter Druck stehen, bedarf es belastbarer Konzepte für Investitionen und Beschäftigungssicherung. Wo Unternehmen erfolgreich wirtschaften, gebührt denjenigen ein angemessener Anteil, die diesen Erfolg erarbeiten.

Mit der ersten Runde in Niedersachsen sind die regionalen Verhandlungen im Bezirk eröffnet. Am Nachmittag folgen die Auftaktgespräche in den Tarifgebieten Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim und Sachsen-Anhalt. Auch dort wird die IG Metall ihre Position darlegen. Die drei Tarifgebiete verhandeln eigenständig, bewegen sich jedoch im gemeinsamen Rahmen der bundesweiten Tarifrunde. In Niedersachsen ist die zweite Verhandlungsrunde für den 27. Oktober angesetzt.

IG Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger mit Arbeitgeber-Verhandler Dr. Mladen Petkovic beim Verhandlungsauftakt in Langenhagen in der Region Hannover 

„Der 27. Oktober ist die nächste Wegmarke“, so IG Metall-Chefverhandler Gröger. „Uns ist an einem tragfähigen Ergebnis gelegen, eine Eskalation streben wir nicht an. Das setzt allerdings einen ernsthaften Austausch voraus und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. Bis zum Ende der Friedenspflicht haben die Arbeitgeber Gelegenheit, eigene Vorstellungen zu entwickeln und damit substanzielle Gespräche zu ermöglichen. Diese Chance sollten sie ergreifen. Wer bis zuletzt jede inhaltliche Auseinandersetzung verweigert, darf sich nicht wundern, wenn die Beschäftigten ihre Erwartungen anschließend selbst unmissverständlich zum Ausdruck bringen.“

Sollte es auch am 27. Oktober an einer ernsthaften Verhandlungsgrundlage fehlen, wird die IG Metall die gebotenen Konsequenzen ziehen. Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober 2026, ab dem 1. November sind Warnstreiks möglich. Bis dahin setzt die IG Metall den Austausch mit den Beschäftigten fort und bereitet die nächste Runde vor. Für eine Einigung bleibt also Zeit. Ob sie für einen substanziellen Dialog genutzt wird, liegt nun bei den Arbeitgebern.

(Presseinformation des IG Metall Bezirks Niedersachsen und Sachsen-Anhalt)

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