Die erste Verhandlungsrunde der Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen ist ohne Ergebnis und ohne erkennbare Annäherung zu Ende gegangen. Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall wies die Forderung der IG Metall zurück. Eine eigene Perspektive legten die Arbeitgeber nicht vor.
Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Entgelt für Beschäftigte und Auszubildende bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Sie hat diese Forderung in der Verhandlung ausführlich begründet. Dabei stützt sie sich auf die wirtschaftliche Breite der Branche, die schwindende Kaufkraft und die anhaltend hohen Lebenshaltungskosten. Ebenso fällt ins Gewicht, was die Beschäftigten im tiefgreifenden industriellen Wandel leisten.
Die Arbeitgeber wiesen die Forderung dennoch grundsätzlich zurück. Mit den vorgebrachten Argumenten setzten sie sich nicht ernsthaft auseinander. Eine eigene tarifpolitische Vorstellung für den weiteren Verlauf blieb ebenfalls aus.
„Es überrascht nicht, dass die Arbeitgeber kein Angebot heute mitgebracht haben. Dennoch ist ein wenig mehr Empathie für die Situation der Beschäftigten und deren Druck auf dem Geldbeutel angemessen!“, erklärt Thorsten Gröger, Bezirksleiter der IG Metall und Verhandlungsführer für das Tarifgebiet Niedersachsen. „Die Arbeitgeber haben dem bislang kaum mehr als Ablehnung entgegengesetzt. Als erste Reaktion mag das üblich sein, als Verhandlungsstrategie trägt es nicht. Nun liegt der Ball bei ihnen. Bis zum 27. Oktober bleibt Gelegenheit, unsere Argumente gewissenhaft zu prüfen und eigene Vorschläge vorzulegen. Wer eine Forderung verwirft, schuldet eine Antwort darauf, wie er den berechtigten Erwartungen der Beschäftigten gerecht werden will.“
Die IG Metall verkennt nicht, dass sich die Branche uneinheitlich entwickelt. Manche Unternehmen ringen mit schwacher Nachfrage, strukturellem Umbruch oder erheblichem Investitionsbedarf. Andere verzeichnen eine stabile Geschäftslage, gute Auslastung und spürbare wirtschaftliche Spielräume. Diesen Unterschieden muss eine Tarifrunde Rechnung tragen. Als pauschaler Grund, die Entgeltentwicklung insgesamt hintanzustellen, taugen sie jedoch nicht. Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren weitreichende Veränderungen mitgetragen, große Flexibilität bewiesen und die Transformation in den Betrieben aktiv mitgestaltet. Zugleich verharren die Lebenshaltungskosten auf deutlich erhöhtem Niveau.
Für die Gewerkschaft reicht diese Tarifrunde daher über die Entgeltfrage hinaus. Es geht ebenso darum, industrielle Wertschöpfung, Beschäftigung und Zukunftsperspektiven zu sichern. Wo Betriebe tatsächlich unter Druck stehen, bedarf es belastbarer Konzepte für Investitionen und Beschäftigungssicherung. Wo Unternehmen erfolgreich wirtschaften, gebührt denjenigen ein angemessener Anteil, die diesen Erfolg erarbeiten.
Mit der ersten Runde in Niedersachsen sind die regionalen Verhandlungen im Bezirk eröffnet. Am Nachmittag folgen die Auftaktgespräche in den Tarifgebieten Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim und Sachsen-Anhalt. Auch dort wird die IG Metall ihre Position darlegen. Die drei Tarifgebiete verhandeln eigenständig, bewegen sich jedoch im gemeinsamen Rahmen der bundesweiten Tarifrunde. In Niedersachsen ist die zweite Verhandlungsrunde für den 27. Oktober angesetzt.