Arbeitgeber setzt auf Abbau, Drohkulisse und Entkernung Gewerkschaft und Betriebsrat bei MAN in Salzgitter legen Zukunftskonzept vor

Die IG Metall wirft dem Arbeitgeber am MAN-Standort Salzgitter vor, die industrielle Zukunft des Werks zu vernichten – trotz stabiler Unternehmenslage und trotz konkreter, tragfähiger Vorschläge der Beschäftigten.

IG Metall, Protest Salzgitter 10.12.2025

25. Januar 2026 25. Januar 2026


Während Belegschaft, Betriebsrat und IG Metall in Gesprächen ein belastbares Zukunftskonzept vorgelegt haben, begegnet die Arbeitgeberseite diesen Ansätzen nach Einschätzung der Gewerkschaft mit demonstrativer Gleichgültigkeit – und setzt stattdessen auf Druck, Verunsicherung und Abwicklung in Etappen.

„Wir haben vorgelegt: Ein Konzept, mit Fachwissen, mit realistischen industriellen Pfaden – für Produktion, Ersatzteillogistik und Komponentenfertigung in Salzgitter“, sagt Carsten Maaß, Verhandlungsführer der IG Metall. „Doch der Arbeitgeber zeigt bislang keinerlei ernsthafte Bereitschaft, über Zukunftsszenarien ernsthaft zu verhandeln. Stattdessen wird ein Kurs betrieben, der auf Rückzug hinausläuft: weniger Industrie, weniger Beschäftigung, weniger Tarifbindung.“

Ein „Zielbild“, das kein Ziel kennt – außer Schrumpfung

Aus Sicht von IG Metall und Betriebsrat offenbart das vom Arbeitgeber skizzierte „Zielbild“ keine industrielle Entwicklungsagenda, sondern vielmehr die Blaupause für einen kontrollierten Abbau: die Komponentenfertigung soll bis spätestens in die 2030er Jahre nahezu verschwinden, damit wird die betriebliche Kernfunktion in Frage gestellt. Am Ende droht die Komplettvergabe des Standorts an Drittanbieter.

Die IG Metall kritisiert, dass damit nicht nur Arbeitsplätze gefährdet werden, sondern auch gewachsene industrielle Kernkompetenz, Ausbildung und regionale Wertschöpfung. Salzgitter sei kein austauschbarer Punkt auf einer Landkarte, sondern ein industrieller Anker – für Beschäftigte, Familien und die gesamte Region.

Carsten Maaß, Verhandlungsführer der IG Metall. Foto: Marcus Biewener.

Drohkulisse Kahlschlag: Massenentlassungen ab 2027, Schrumpfkurs bis 2032

Besonders alarmierend sei die vom Arbeitgeber aufgebaute Drohkulisse massiver Personalreduzierung. Nach den der Arbeitnehmerseite vorgelegten Konzepten sollen ab dem 1. Januar 2027 Massenentlassungen vorbereitet werden. Zugleich steht ein Szenario im Raum, nach dem von derzeit rund 2.161 Beschäftigten bis 2032 weniger als 852 am Standort verbleiben sollen. Für IG Metall und Betriebsrat ist das kein Umbau – sondern ein Abbauprogramm mit Ansage.

„Was hier geschieht, ist kein Umbau und keine Zukunftsstrategie, sondern ein schleichender Rückzug aus der industriellen Verantwortung“, sagt Hüseyin Uc, Vorsitzender des Betriebsrats am MAN-Standort Salzgitter. „Produktionskompetenz wird ausgelagert, Wertschöpfung herausgeschnitten und der Standort bewusst ausgehöhlt. Wer glaubt, das bleibe auf die Werkstore begrenzt, irrt. Der Verlust von Industrie trifft nicht nur die Beschäftigten – er trifft ganze Familien, die regionale Wirtschaft, den sozialen Zusammenhalt und die Zukunftsaussichten einer gesamten Region.“

Druck statt Dialog: Kündigungen, Einschnitte, Vertrauensbruch

Die IG Metall verweist zudem auf eine Eskalation der betrieblichen Auseinandersetzung bereits im vergangenen Jahr: Der Arbeitgeber habe im Sommer elementare Betriebsvereinbarungen gekündigt – aus Sicht der Gewerkschaft ein kalkuliertes Druckmittel. Konkret bedeutet das für die Beschäftigten, dass mit der Januar-Abrechnung ergeben sich Einbußen von bis zu mehreren Hundert Euro für Kolleginnen und Kollegen. „So handelt kein verantwortungsvolles Management, welches seine Fürsorgepflicht gegenüber den Beschäftigten ernst nimmt“, betont Maaß. „Wer Zukunft will, schafft Sicherheit. Wer Vereinbarungen kündigt, Einkommen wegbrechen lässt und den Druck erhöht, zerstört Vertrauen – und damit die Grundlage für konstruktive Lösungen.“

Gewinne sind da – doch die Zukunft soll verlagert werden

Für zusätzliche Empörung sorge der offensichtliche Widerspruch zwischen wirtschaftlicher Stärke und Standortpolitik. Trotz zweier sehr erfolgreicher Geschäftsjahre und hoher Gewinne setzt der Vorstand auf Verlagerungen nach Osteuropa und auf die Reduzierung industrieller Fertigung in Salzgitter. Das wirke nicht wie eine Entscheidung aus Not, sondern wie eine renditegetriebene Strategie – zulasten der Zukunft eines Traditionswerks und der Menschen, die seinen Erfolg erarbeitet haben.

Forderungen der IG Metall

Die Arbeitnehmerseite hat Vorschläge präsentiert. Jetzt ist der Arbeitgeber gefordert, ein Zukunftspaket vorzulegen, das den Namen verdient – verbindlich, tariflich abgesichert und industriell tragfähig:

  • Belastbares Zukunftskonzept mit konkreten Investitionszusagen in Produkte, Technologien und industrielle Wertschöpfung am Standort Salzgitter
  • Beschäftigungssicherung auf Vertragsbasis für alle Bereiche – inklusive Qualifizierung, Umschulung und Transformationsbegleitung
  • Keine Ausgliederung, kein Tarifdumping, keine Fremdvergabe von Kernfunktionen – stattdessen langfristig tarifgebundene, zukunftsfähige Arbeitsplätze
  • Ernsthafte Verhandlungen auf Augenhöhe und Einbindung der Beschäftigten, keine Druckkulisse, stattdessen ehrliche Verhandlungsbereitschaft.

Klar ist auch, so untermauert Verhandlungsführer Maaß abschließend: „Wir halten daran fest, mit uns in den Verhandlungsmodus einzusteigen. Wir werden unseren Standort keinesfalls aufgeben!“

(Pressemitteilung des IG Metall Bezirks Niedersachsen und Sachsen-Anhalt)

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