Drohkulisse Kahlschlag: Massenentlassungen ab 2027, Schrumpfkurs bis 2032
Besonders alarmierend sei die vom Arbeitgeber aufgebaute Drohkulisse massiver Personalreduzierung. Nach den der Arbeitnehmerseite vorgelegten Konzepten sollen ab dem 1. Januar 2027 Massenentlassungen vorbereitet werden. Zugleich steht ein Szenario im Raum, nach dem von derzeit rund 2.161 Beschäftigten bis 2032 weniger als 852 am Standort verbleiben sollen. Für IG Metall und Betriebsrat ist das kein Umbau – sondern ein Abbauprogramm mit Ansage.
„Was hier geschieht, ist kein Umbau und keine Zukunftsstrategie, sondern ein schleichender Rückzug aus der industriellen Verantwortung“, sagt Hüseyin Uc, Vorsitzender des Betriebsrats am MAN-Standort Salzgitter. „Produktionskompetenz wird ausgelagert, Wertschöpfung herausgeschnitten und der Standort bewusst ausgehöhlt. Wer glaubt, das bleibe auf die Werkstore begrenzt, irrt. Der Verlust von Industrie trifft nicht nur die Beschäftigten – er trifft ganze Familien, die regionale Wirtschaft, den sozialen Zusammenhalt und die Zukunftsaussichten einer gesamten Region.“
Druck statt Dialog: Kündigungen, Einschnitte, Vertrauensbruch
Die IG Metall verweist zudem auf eine Eskalation der betrieblichen Auseinandersetzung bereits im vergangenen Jahr: Der Arbeitgeber habe im Sommer elementare Betriebsvereinbarungen gekündigt – aus Sicht der Gewerkschaft ein kalkuliertes Druckmittel. Konkret bedeutet das für die Beschäftigten, dass mit der Januar-Abrechnung ergeben sich Einbußen von bis zu mehreren Hundert Euro für Kolleginnen und Kollegen. „So handelt kein verantwortungsvolles Management, welches seine Fürsorgepflicht gegenüber den Beschäftigten ernst nimmt“, betont Maaß. „Wer Zukunft will, schafft Sicherheit. Wer Vereinbarungen kündigt, Einkommen wegbrechen lässt und den Druck erhöht, zerstört Vertrauen – und damit die Grundlage für konstruktive Lösungen.“
Gewinne sind da – doch die Zukunft soll verlagert werden
Für zusätzliche Empörung sorge der offensichtliche Widerspruch zwischen wirtschaftlicher Stärke und Standortpolitik. Trotz zweier sehr erfolgreicher Geschäftsjahre und hoher Gewinne setzt der Vorstand auf Verlagerungen nach Osteuropa und auf die Reduzierung industrieller Fertigung in Salzgitter. Das wirke nicht wie eine Entscheidung aus Not, sondern wie eine renditegetriebene Strategie – zulasten der Zukunft eines Traditionswerks und der Menschen, die seinen Erfolg erarbeitet haben.
Forderungen der IG Metall
Die Arbeitnehmerseite hat Vorschläge präsentiert. Jetzt ist der Arbeitgeber gefordert, ein Zukunftspaket vorzulegen, das den Namen verdient – verbindlich, tariflich abgesichert und industriell tragfähig:
- Belastbares Zukunftskonzept mit konkreten Investitionszusagen in Produkte, Technologien und industrielle Wertschöpfung am Standort Salzgitter
- Beschäftigungssicherung auf Vertragsbasis für alle Bereiche – inklusive Qualifizierung, Umschulung und Transformationsbegleitung
- Keine Ausgliederung, kein Tarifdumping, keine Fremdvergabe von Kernfunktionen – stattdessen langfristig tarifgebundene, zukunftsfähige Arbeitsplätze
- Ernsthafte Verhandlungen auf Augenhöhe und Einbindung der Beschäftigten, keine Druckkulisse, stattdessen ehrliche Verhandlungsbereitschaft.
Klar ist auch, so untermauert Verhandlungsführer Maaß abschließend: „Wir halten daran fest, mit uns in den Verhandlungsmodus einzusteigen. Wir werden unseren Standort keinesfalls aufgeben!“
(Pressemitteilung des IG Metall Bezirks Niedersachsen und Sachsen-Anhalt)