Zukunftskonzept für den Standort Salzgitter Einigung bei MAN – Beschäftigung, Standort und Zukunftsperspektiven umfassend abgesichert

Nach intensiven und teils schwierigen Verhandlungen haben sich die IG Metall und die Geschäftsführung der MAN Truck & Bus SE auf ein weitreichendes Tarifergebnis für den Standort Salzgitter verständigt.

2025-09 MAN Salzgitter Aktion

2. Februar 2026 2. Februar 2026


Die Vereinbarung schützt die Beschäftigten langfristig, sichert industrielle Wertschöpfung vor Ort und schafft verbindliche Grundlagen für eine mitbestimmte und sozial gerechte Transformation.

Im Zentrum des Abschlusses steht der verbindliche Ausschluss betriebsbedingter Beendigungskündigungen bis zum 31. Dezember 2035 – ein bislang nicht für alle Standorte geltender Schutz, der nun auch für Salzgitter vollumfänglich festgeschrieben ist. Damit wird für mehr als ein Jahrzehnt Planungssicherheit geschaffen. Für die IG Metall ist dies die zentrale Grundlage, um eine Tarifeinigung zu ermöglichen, denn: Ohne Sicherheit für die Beschäftigten, keine Zukunft. Ergänzt wird diese Zusage durch eine Option auf Verlängerung: Bei entsprechender Auslastung kann der Kündigungsschutz rollierend um jeweils zwei Jahre verlängert werden – mit einer Perspektive bis 2040. Sollte es künftig zu einer Verringerung der Belegschaftsstärke kommen müssen, kann dies im Rahmen der demografischen Entwicklung umgesetzt werden.

„Es war unser Ziel, für Salzgitter die gleichen Sicherheiten zu verankern wie an anderen Standorten des Unternehmens. Beschäftigungssicherung ist keine Verhandlungsmasse, sondern Voraussetzung für jede Zukunftsperspektive“, erklärte Hüseyin Uc, Vorsitzender des MAN-Betriebsrats in Salzgitter. „Dass wir das erreicht haben, ist ein wichtiger Erfolg. Die Beschäftigten wissen nun: Ihr Standort wird nicht abgehängt – im Gegenteil, er bleibt integraler Bestandteil der industriellen Entwicklung von MAN.“

Zugleich wird Salzgitter im Konzernverbund strukturell aufgewertet. Der Standort erhält ein eigenes, verbindliches industrielles Zielbild, das auf dem Erhalt und der Modernisierung zentraler Produktionsbereiche sowie dem Ausbau der Ersatzteillogistik als Hauptkompetenz-Standort basiert. Eine Investitionszusage in Höhe von 59 Millionen Euro flankiert diese Standortentscheidung. Die Mittel fließen in Modernisierung, Produktanpassung und neue Fertigungskapazitäten. Im Zuge intensiver und beharrlicher Verhandlungen ist es der entschlossen auftretenden IG Metall in enger Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat gelungen, das vom Arbeitgeber ursprünglich angestrebte Szenario einer vollständigen Verlagerung der Achsumfänge erfolgreich abzuwenden. Auf diese Weise bleibt ein zentraler Teil der Wertschöpfung dauerhaft am Standort Salzgitter verankert – über die 2030er-Jahre hinaus. Konkret verbleiben wesentliche Fertigungsumfänge – darunter Komponenten wie Radflansche und Achsschenkel für nichtangetriebene Achsen – dauerhaft in Salzgitter. Die Fertigungslinie für die zukünftige CBE-Kurbelwellen wird neu ausgerüstet und es erfolgen Neuinvestitionen. Auch die Ersatzteillogistik (Spare Parts) und die CKD-Montage bleiben am Standort gebunden. Zentraler Fertigungsstandort der leichten und mittleren Vorderachsen (Legacy-Achsen) sowie der Sonderachsen bleibt Salzgitter – und das tief bis in die 2030er-Jahre hinein.

Ein struktureller Kern des Ergebnisses ist die Einrichtung eines Lenkungskreises Salzgitter. Dieses paritätisch besetzte Gremium aus Unternehmensleitung, Betriebsrat und IG Metall soll künftige Produkte, Kompetenzen und industrielle Entwicklungsschritte gemeinsam erarbeiten und strategisch steuern. Der Lenkungskreis wirkt aktiv in Unternehmensentscheidungen hinein – insbesondere in den Make-or-Buy-Prozess. Sollte die Wirtschaftlichkeit abgebildet sein, werden Produkte zielgerichtet in Salzgitter angesiedelt.

„Mit dieser Vereinbarung ist uns mehr gelungen als der Erhalt des Bestehenden“, so Andrea Deiana, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Vertrauenskörperleiter der IG Metall. „Wir haben ein Werkzeug geschaffen, mit dem Salzgitter künftig eigenständig und aktiv um neue Produkte und industrielle Aufgabenfelder werben kann. Der Lenkungskreis ist kein symbolisches Gremium, sondern ein echter Motor für Zukunftsentwicklung.“

Auch in tarifpolitischer Hinsicht wurden weitreichende Ergebnisse erzielt. Alle entgangenen Entgeltbestandteile werden rückwirkend anerkannt und nachgezahlt. Damit entsteht kein Nachteil für die tariflich Beschäftigten am Standort Salzgitter. Ab dem Geschäftsjahr 2025 gilt eine Ergebnisbeteiligung, die ab Mai 2026 erstmals ausgezahlt wird. Zusätzlich wurde vereinbart, dass außertarifliches Personal und Management einen finanziellen Beitrag leisten – ein klares Signal für soziale Ausgewogenheit. „Die tarifliche Integrität bleibt unangetastet. Es gibt keine Einschnitte im Tarifbereich – im Gegenteil: Die Beschäftigten werden rückwirkend entschädigt und künftig am Unternehmenserfolg beteiligt“, so Deiana weiter. Zusätzlich erhalten alle voll- und teilzeitbeschäftigten Mitglieder sowie Auszubildenden jährlich im Sommer einen IG Metall-Mitgliederbonus von 156 Euro netto. Darüber hinaus profitieren Mitglieder exklusiv von einem monatlichen Sachbezugswert in Höhe von 30 Euro, und der Beitrag für die Mitgliedschaft in der gewerkschaftlichen Unterstützungseinrichtung GUV/Fakulta wird vollständig übernommen.

Darüber hinaus wurden Regelungen zu Arbeitszeit und Entgeltstruktur getroffen. Die gekündigte Betriebsvereinbarung zur Arbeit an Wochenenden wird bis Juli 2026 weitergeführt. Freiwillige übertarifliche Zulagen bleiben in diesem Zeitraum erhalten. Parallel beginnen Verhandlungen über die Einführung eines standardisierten Entgeltmodells. Auch die Ausbildung ist festgeschrieben: Die Ausbildungsquote beträgt weiterhin mindestens zwei Prozent der Stammbelegschaft.

Für die IG Metall ist das Tarifergebnis ein Beleg dafür, dass Zukunft nicht gegen, sondern nur mit den Beschäftigten gestaltet werden kann. Der Abschluss sichert industrielle Chancen am Standort, wahrt tarifliche Standards und ermöglicht, dass die Transformation sozialverantwortlich und mitbestimmt verläuft. Dass in Salzgitter nicht an den Grundfesten des Standorts gesägt wurde, ist in erster Linie dem entschlossenen Einsatz einer stark organisierten Mannschaft sowie engagierter Metallerinnen und Metaller im Betrieb zu verdanken – im Betriebsrat, der Vertrauenskörperleitung und in der Belegschaft.

„Selbstverständlich bringt die Transformation Veränderungen mit sich – aber sie verläuft in Salzgitter bei MAN nun nicht unkontrolliert, sondern entlang klarer Leitplanken. Es gibt für jede und jeden Beschäftigten eine Job-Garantie bis Ende 2035 und sogar eine Option bis 2040. Wenn notwendig, erfolgen Anpassungen entlang der demografischen Entwicklung, und der Lenkungskreis stellt sicher, dass neue Produkte nicht irgendwo entstehen, sondern gezielt auch nach Salzgitter geholt werden können“, betont Carsten Maaß, Verhandlungsführer der IG Metall, abschließend.

(Pressemitteilung des IG Metall Bezirks Niedersachsen und Sachsen-Anhalt)